CD-Rezension / Review / Kritik

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Wolf Parade Cry Cry Cry CD Cover

Wolf Parade „Cry Cry Cry”

(Sub Pop/Cargo)
Sieben Jahre seit dem letzten Album „Expo 86“ – man kann nicht gerade sagen, dass es Wolf Parade aus Montreal zuletzt eilig gehabt hätten. Zumindest nicht mit ihren eigenen Platten, was vor allem daran lag, dass das Frontduo Spencer Krug und Dan Boeckner auf anderen Baustellen zu tun hatte: Krug trieb sein zwischen krautiger Elektronik und Piano-Elegien pendelndes Projekt Moonface voran, Boecker unterhielt mit Handsome Furs, Operators und Divine Fits zwischenzeitlich sogar drei Bands. Spuren hinterlassen haben diese auf dem vierten Wolf Parade-Longplayer nur sporadisch: Das wallende Klavierspiel des Openers „Lazarus Online“ lässt sich zwar als Referenz an Moonfaces „Julia With Blue Jeans On“ hören, dennoch denken die Kanadier gar nicht daran, ihre verschwenderische Spielart des Indie-Rock der sehnsuchtsvollen Grandezza zu berauben, die schon den Debüt-Klassiker „Apologies To The Queen Mary“ ausmachte. Geschwinde Hits wie „You’re Dreaming“ oder das immer wieder in dynamisches Stakkato ausbrechende „Artificial Life“ gehören auch auf „Cry Cry Cry“ genauso dazu wie der abenteuerliche Mittelteil mit den Prog-geschwängerten Bolzen „Baby Blue“ und „Weaponized“ – und da Wolf Parade nicht nur brillante Songschreiber, sondern auch präzise Arrangeure sind, münden jubilierende Gitarren, kokelnde Dampforgeln und Krugs Piano in ausnehmend kompakte Songs statt in fehlgeleitetes Psychedelia-Chaos. Und das ist auch nach langer Abwesenheit wie üblich zum Heulen schön.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2017.
Tuesday the 19th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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