CD-Rezension / Review / Kritik

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Wintersun The Forest Seasons CD Cover

Wintersun „The Forest Seasons“

(Nuclear Blast)
Es wurde so unendlich viel in den letzten Monaten über die Aktivitäten und Geschicke von Leader Jari und der Band recherchiert, argumentiert, diskutiert und gestritten, dass es hierbei allein um die Musik an sich gehen soll. Der aktuelle Nachfolger des 2012er Vollzeitjobs „Time I“ ist das bislang reifste, ausgewogenste, harmonischste und sicherlich auch insgesamt geschmackvollste Schaffenspostulat, das es bislang von den finnischen Epikern zu genießen gab. Dem ewig geheimnisvollen Zauber und den betörenden Stimmungen der waldigen Jahreszeiten wird mittels vier monumental aufgebauten Songkapiteln gehuldigt, frenetisch, fulminant, bombastisch, opulent und damit majestätisch erhebend. Und Wintersun zelebrieren die dortige, ganzjährige Naturschönheit mit unermesslich gekonnt ausgeklügelten, fantastisch funktionierenden MeloDeath-Epen. Ging es zuvor schon regelrecht ‚adlig‘ zu, was die kompositorisch-ästhetische Noblesse der geistreichen Darbietung angeht, so sprengen die Wintersonnenboten diesmal auch rein spielkulturell sämtliche Gütegrenzen. Doch optimal komprimierter Druck, liebevoll einnehmende Melodiebögen, souverän fragmentierte Strukturdetails und verantwortungsvoll festhaltende Bissigkeit machen es nicht allein. Denn Jari hat an seiner Stimme so tief und bewusst gearbeitet, dass er nunmehr mit dem Rest der hochgradig virtuosen Darbietung voll auf Augenhöhe agiert; ja, mehr noch, seinen Gesang sogar als tragendes Instrument zu nutzen versteht. Vier sagenhaft professionelle, üppig theatralisch arrangierte Superlieder, welche die Essenz dieses Genres in absoluter Reinkultur, wundervoller Eleganz und vor allem in gesund-stolzer Anmut wiedergeben. Summa cum laude, Gänsehaut im Sommer!
Markus Eck

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2017.
Tuesday the 19th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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