CD-Rezension / Review / Kritik

Print
Wormfood LEnvers

Wormfood
„L'Envers“
(Apathia Records)
Zwischen der Rückseite (l'envers) und der Hölle (l'enfer) besteht im Französischen ein phonetisch nur allzu leicht überhörbarer Unterschied.  Während die Avantgarde-Goth-Rocker aus Paris bei ihrer „Das Phantom der Oper“-Variation den Blick hinter die Kulissen des großen Welttheaters wagen, wird schnell deutlich, dass dort arme Seelen im Höllenfeuer brutzeln. Lässt der flotte Einstieg („Serviteur Du Roi“) noch vage Erinnerungen an die Landsleute von Celeste zu - die nun wirklich einer gewissen (Metal-)Avantgarde zuzuordnen sind - erweist sich das Fünftwerk des Wurmfutters als ausgesprochen hüftsteifer Versuch, in der Tradition von Type O Negative zu operieren. Denn was bei Peter Steele und Co. stets in atemberaubender Manier gelang, verkommt hier zu einer Aneinanderreihung von Ideen, die nicht zünden wollen, da sie allesamt schon längst woanders Verwendung gefunden haben. Die Diskrepanz zwischen epischem Konzept und musikalischer Fadheit macht das eigentliche Ärgernis eines Albums aus, bei dem deutlich mehr gewollt als gekonnt wurde. Jede Nummer der Muppets hatte deutlich mehr Drama, Fallhöhe und – natürlich – Witz zu bieten. Auch à la longue dürfte sich an dieser Einschätzung von „L'Envers“ nichts ändern: Ohne Substanz auch keine Langzeitwirkung durch den Nebeneingang.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.
Thursday the 14th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©