CD-Rezension / Review / Kritik

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Bettina Köster Kolonel Silvertop CD Cover

Bettina Köster „Kolonel Silvertop“

(Pale Music)
Da ist sie wieder! Diese dunkle Stimme. Warm, aber gleichzeitig unnahbar und paradoxerweise kalt. Als Bettina Köster vor mehr als 39 Jahren „Kaltes klares Wasser“ sang, sorgte ihre Stimme für erfrischende Abkühlung. Deckungsgleich waren Thema und Performance. Malaria! sind längst Geschichte, Bettina Köster aber definitiv nicht. Nach acht Jahren musikalischer Abstinenz haut sie ein Album raus, das sich um keinerlei Konventionen schert. Es ist kein Rock, keine Elektronik, kein Pop. Nicht einmal Avantgarde. Und doch alles gleichzeitig. Aufgenommen in Kampanien und Berlin mit einer Riege bekannter Namen von Jochen Arbeit (Einstürzende Neubauten) über Klaus Kruger (Tangerine Dream) bis Christine Hahn (Malaria!) ist „Kolonel Silvertop“ ein Wechselbad der Gefühle. Mal spröde wie „Where Do You Go To“, mal chansonesk wie „Der Novak“ oder dancy wie „1959“ – mit Höhen und Tiefen. Zusammengehalten wird alles von Bettina Kösters Stimme. Diese ist mittlerweile so verraucht, dass man allein vom Zuhören Lungenkrebs bekommt. Als tiefergelegte Mischung aus Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Siouxsie Sioux wühlt sie in ihrer Vergangenheit, bemüht sich stellenweise um lyrische Manierismen wie Blixa Bargeld. Auch wenn „Kolonel Silvertop“ kein leichtes Album ist und wie aus der Zeit gefallen wirkt, ist es doch ein Statement. In ihrer Weigerung, sich einem durchgängigen Stil zu beugen, ist Bettina Köster immer noch eines: Punk durch und durch.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2017.
Monday the 14th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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