CD-Rezension / Review / Kritik

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Kaiser Chiefs Education Education Education War

Kaiser Chiefs
„Education, Education, Education & War“
(Long Branch Records/SPV)
Sollte es das gewesen sein mit Kaiser Chiefs? Die Anzeichen mehrten sich: Drummer Nick Hodgson ausgestiegen, eine Best Of mit dem abschiedsträchtigen Titel „Souvenir“, Sänger Ricky Wilson als Juror in einer Castingshow. Doch weit gefehlt: Die zum Quartett geschrumpfte Band aus Leeds ist die nächste, die nach Franz Ferdinand, Maximo Park und The Rifles an die Erfolge der großen britischen Indie-Welle Mitte der nuller Jahre anzuknüpfen gedenkt. Die frenetischen Hüpf-Hits gehören zwar der Vergangenheit an – doch schon damals übersahen viele, dass Kaiser Chiefs auch in der Lage sind, tieferschürfende Popsongs zu schreiben und „Ruby“ ihr einziger Bierzelt-Ausrutscher blieb. Wie zum Beleg drosselt die erste Single „Coming Home“ das Tempo und baut auf dichte Atmosphäre und sehnsuchtsvollen Refrain statt auf vor sich her getragene Partytauglichkeit. Zwar gilt die im Titel des Vorgängers festgeschriebene Formel „The Future Is Medieval“ noch immer – musikalische Altvordere wie The Jam oder The Undertones stehen den vieren nun einmal näher als irgendein neumodischer Schnack. Feiern mit Stil und mit dem Wissen um die Wurzeln britischer Popmusik lässt sich zu „Education, Education, Education & War“ jedoch nach wie vor prächtig – vor allem zum „Everyday I Love You Less And Less“ nachmodellierenden Opener „The Factory Gates“ oder zum flinken Riffing von „One More Last Song“. Wir fragen also noch mal: Sollte es das gewesen sein mit Kaiser Chiefs? Kleiner Tipp: Nein.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.


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