CD-Rezension / Review / Kritik

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felix kubin chromdioxidgedaechtnis

Felix Kubin
„Chromdioxidgedächtnis“ (MC)
(Gagarin/A-Musik)
Auch wenn sie im Zuge des Vinyl-Revivals ebenfalls eine kleine Wiederentdeckung feierte, sollte man sich nichts vormachen: das Ende der Kompaktkassette ist beschlossene Sache. Dennoch oder grade deshalb beschäftigt sich Felix Kubin mit diesem obsoleten Medium. „Chromdioxidgedächtnis“ verwandelt die oft unerwünschte Klangcharakteristik von Kassettenaufnahmen zu Stilmitteln: angefangen bei der Sättigung des Tons und Laufwerksgeräuschen, über das unvermeidliche Rauschen und den Übersprechungen der einzelnen Spuren hin zu Gleichlaufschwankungen und den Andruckgeräuschen des Tonkopfes. Aber auch anmoderierte Geräuschsammlungen aus Kubins Kindertagen und ein rauer Tape-Cut-Up finden sich wieder. Die A-Seite der Bonus C-60 gewährt einen weiteren tiefen Einblick in Kubins Archiv und umreißt damit in gut 30 Minuten seinen Mikrokosmos. Nach dem Wenden des Bandes berichtet der ehemalige Philips-Mitarbeiter Wim Langenhoff in einem Interview über die Entwicklungs- und Erfolgsgeschichte der Kompaktkassette, bevor es einen Querschnitt durch besonders gelungene Anmoderationen und eine abschließende „Nachtschleife“ zu hören gibt. Das umfangreiche Booklet trägt theoretisches und historisches zum Thema bei.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


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