CD-Rezension / Review / Kritik

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DaGeist 40 CD Cover

DaGeist „40“

(Danse Macabre/Alive)
Die über Jahrzehnte hinweg bewährte Tradition (nord-)französischer (Cold) Wave-Bands (Indochine, Trisomie 21 etc.) offensiv aufgreifend, führen Davide Schiavoni (Stimmbänder) sowie Fréderic Strzelczyk (Tieftöner) diese anhand eines acht Titel umfassenden Debüts auf unwiderstehlich ausgewogene Manier fort. „40“ brilliert in der Disziplin, das rechte Maß zu wahren. Handelsübliche Versatzstücke lässt das Duo aus Lille in seinem Sound widerhallen, ohne dabei jedoch eine einst als vergangen geglaubte Epoche billig zu plagiieren. Denn das auf Anhieb Vertraute unterziehen DaGeist einer Frischzellenkur, bei der die Glaubwürdigkeit nicht den geringsten Schaden nimmt. Zeitgemäß akzentuierte Elektronik stützt den oftmals geradezu giftig hervorstechenden Saitenstrom, während die gesangliche Intonation munter zwischen Häme, Wut und Resignation vermittelt. Dabei beweisen die beiden Überzeugungstäter mit ausnahmslos jedem Track ein ausgesprochen gut entwickeltes Gespür für jenen Ohrwurmfaktor, den vergleichbare Acts dieser Tage, bei aller Authentizität ihres Auftretens, leider nur allzu oft vermissen lassen. Da fällt es natürlich schwer, einzelne Titel hervorzuheben. Doch wozu auch? Bei der konzentrierten Güte von „40“ verbietet sich jegliches Rosinenpicken, zumal sich die Repeat-Taste kaum über Mangel an Beschäftigung beklagen dürfte.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2017.
Thursday the 14th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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