CD-Rezension / Review / Kritik

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Carbon Based Lifeforms Derelicts CD Cover

Carbon Based Lifeforms „Derelicts“

(Leftfield Records/Blood Music)
Interessante Entwicklung: Das ausgewiesene finnische Black Metal-Label Blood Music engagiert sich seit einiger Zeit auch im elektronischen Sektor und führt Synthwave-Acts wie Perturbator oder Dynatron im Programm. Neueste Errungenschaft: Das schwedische Duo Carbon Based Lifeforms, dessen Platten bei Blood Music auf Vinyl erscheinen und mit ausladenden Ambient-Soundscapes und kosmischen Electronica überzeugen. Viel auf Daniel Segerstads und Johannes Hedströms fünftem Album erinnert an den norwegischen Klangtüftler Geir Jenssen alias Biosphere und verhält sich zu Sagerstads früherer Synthie-Pop-Band Thermostatic ungefähr wie frühe Delerium zu Front Line Assembly: Clubtauglichkeit raus, meditativer Charakter und längliche, von voluminösen Flächen bestimmte Instrumentals rein. Zwar kommen des Öfteren auch rhythmische Elemente ins Spiel, doch Stücke wie „Nattväsen“ oder „Equilibrium“ genügen sich in unaufdringlichen, verbreakten Grooves, die dem außerirdischen Charakter der zwölf Stücke keinerlei Abbruch tun – der düster wobbelnde 15-Minüter „Everwave“ verzichtet gar gänzlich auf Beats und beschließt „Derelicts“ als majestätischer Drone-Ruhepol. Allerdings heißt es hier nicht nur Ohren auf, sondern auch Augen auf bei der Formatwahl: Wer sich für Vinyl oder Download entscheidet, bekommt zwölf einzelne Stücke, während die auf dem bandeigenen Label Leftfield Records erschienene CD sämtliche Tracks ineinander übergehen lässt. Ein Genuss ist „Derelicts“ aber in jedem Fall.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2018.
Thursday the 14th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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