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Created on Tuesday, 15 October 2019

Buch Special Cthulhu News

„Chronik des Cthulhu-Mythos“

Wahnsinnig mit Leidenschaft

Der Name H.P. Lovecraft steht für Horrorliteratur wie kaum ein anderer. Spätestens die zahlreichen Verfilmungen von Produzent Roger Corman in den 60ern haben seinen Namen auch in allen Kreisen der Popkultur verankert. Lovecrafts Geschichten rund um den Cthulhu-Mythos zählen wohl zu seinen einflussreichsten Arbeiten. Der Festa Verlag legt die „Chronik des Cthulhu-Mythos“ flankiert von ausführlichen Erläuterungen in zwei Bänden neu auf.


Für Verleger Frank Festa ist diese Neuauflage ein Herzensprojekt. Der Cthulhu-Mythos fasziniert ihn seit vielen Jahren. „Diese Atmosphäre des kosmischen Grauens, die H.P. Lovecraft mehr oder weniger erfunden hat, ist einmalig“, beschreibt Festa, was Lovecraft so besonders macht. „Der Mensch ist den Kräften des Kosmos hilflos ausgeliefert, denn er ist nur eine winzige, schwache Eintagsfliege im Weltall, und es existieren dort kaum vorstellbare, bedrohliche Wesen, deren Wege manchmal auch auf die Erde führen.“


Diese einzigartigen kosmischen Geschichten wurden in der Vergangenheit häufig neu veröffentlicht. Manch einer möge behaupten, dass die „Chronik des Cthulhu-Mythos“ demnach überflüssig sei. Festa hält dagegen: „Ich dachte mir, dass es zwar viele Sammlungen von Lovecrafts Horrorgeschichten gibt, aber keine, die speziell seine Cthulhu-Werke zusammenfasst.“ Dabei richtet sich die Chronik sowohl an Neueinsteiger wie alteingesessene Fans. „Ich finde, das ist der ideale Einstieg in diese Welt, aber durch die Vorworte zu den einzelnen Geschichten auch perfekt für Lovecraft-Kenner“, erklärt Festa.


Die Erläuterungen stammen von Dr. Marco Frenschkowski. „Er ist halt der große Lovecraft- und Fantastikexperte in Deutschland“, gibt Festa zu verstehen. In beeindruckender Detailverliebtheit beschreibt Frenschkowski die Lebensumstände, unter denen Lovecraft die Cthulhu-Geschichten geschrieben hat. „Chronik des Cthulhu-Mythos“ ist dadurch nicht bloß eine Ansammlung von Horrorstories, sondern ordnet sie in den literaturgeschichtlichen und historischen Kontext ein. Dadurch fungieren die Bande beinahe als eine Art kleine Biografie von Lovecrafts Leben. Oder zumindest dem Teil, in dem die Cthulhu-Werke entstanden sind. Trocken wirkt das allerdings nie, da Frenschkowski seine Vorworte mit Leidenschaft schreibt.


Im besten Fall soll die „Chronik des Cthulhu-Mythos“ diese Leidenschaft auch bei Lovecraft-Neulingen entfachen. Wie Festa diesen die Geschichten schmackhaft machen würde? „Also, wer auf Horror, Fantasy und dunkle Fantastik steht, der kommt um das Werk von Lovecraft nicht herum. Ein Muss für Liebhaber.“ Drei Geschichten stellt Frank Festa dabei besonders heraus. „Auf jeden Fall ‚Die Ratten in der Wand’, weil es meine erste Story von ihm war, die mich damals so umgehauen hat, dass ich sie sofort noch mal las“, berichtet er über seinen Einstieg in die Cthulhu-Welt. „Dann ‚Die Farbe aus dem All’, weil der Schrecken echt die Psyche würgt. Und natürlich ‚Berge des Wahnsinns’, Lovecrafts bizarres Meisterwerk.“


Doch können Lovecrafts Geschichten in der heutigen Zeit noch schocken? Autoren wie Clive Barker oder Jack Ketchum haben den Gewaltgrad in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter in die Höhe geschraubt. Festa ist überzeugt, dass Lovecraft deswegen noch lange nicht zum alten Eisen gehört: „Nun, so zimperlich war Lovecraft gar nicht. Aber Splatter war wirklich nicht sein Metier. Ab und zu hat er dennoch das Grauen des Body-Horror geschildert. Lovecrafts psychologischer Horror schockt heute noch wunderbar, der Erfolg zeigt es ja.“


Dass die Faszination für Lovecrafts Werk bis heute anhält, ist allerdings nicht allein seinen Qualitäten als Autor zu verdanken. Viele Menschen kamen erst durch Filmadaptionen mit Lovecraft in Berührung. Festa ist froh darüber: „Ich freue mich über jede Verfilmung, weil sie die Stellung von Lovecraft, wie soll ich sagen? Sie betont? Erhöht?“ Am bekanntesten sind wohl die Verfilmungen, in denen Schauspieler Vincent Price mitwirkte. Vor allem „Die Folterkammer des Hexenjägers“ ist fest im popkulturellen Gedächtnis verankert. Doch leider sind nicht alle Filmumsetzungen derart gelungen. „Die Stories sind aber auch schwer zu verfilmen, weil Lovecraft fast nur mit Andeutungen und unterschwelligen Bedrohungen arbeitet“, liefert Festa einen Erklärungsansatz für das häufige Scheitern. Auf einen in Planung befindlichen Film freut er sich allerdings trotzdem. „Guillermo del Toro will ja ‚Berge des Wahnsinns’ verfilmen. Dafür ist er der richtige Mann. Das könnte groß werden!“ Dass Festa dem mexikanische Regisseur eine gelungene Adaption zutraut, ist angesichts del Toros Vita kaum verwunderlich. Mit Filmen wie „Pans Labyrinth“, „Crimson Peak“ oder „Hellboy“ bewies der Filmemacher schon häufig, dass er es wie kein anderer versteht, bizarren Welten Leben einzuhauchen. Genau die richtige Voraussetzung, um dem Cthulhu-Mythos gerecht zu werden.
Dominik Rothe

 

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