CD-Rezension / Review / Kritik

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GosT Possessor CD Cover

GosT „Possessor“

(Blood Music/Soulfood)
Synthwave? Kommt bei GosT nicht in die Tüte. Sagt der totenkopfmaskierte Spuk-Elektroniker aus Michigan zumindest von sich selbst, obwohl seine ersten Alben „Behemoth“ und „Non Paradisi“ vor analogsynthetischer Power förmlich platzten. Inhaltlich dreht es sich bei GosT jedoch zumeist um die spirituellen Dimensionen von Tod und Teufel – praktisch also, dass auch „Possessor“ auf Blood Music erscheint, dem finnischen Metal-Label, in dessen Programm sich auch etliche elektronische Acts tummeln. Passend zum thematischen Überbau des dritten Longplayers, der die „satanic panic“ dogmatischer Exorzisten geißelt, gibt sich GosT nun zusehends brachialer. So massiv und scharf wie hier ließ der Amerikaner die Synthie-Bässe bisher selten bratzen, weibliche Vocal-Features, die ansatzweise Versöhnlichkeit signalisieren könnten, müssen draußen bleiben. Dafür röhrt der verhinderte Synthwave-Geist bei „Sigil“ entweder höchstselbst ins Mikro – oder lässt seiner alten Liebe Black Metal freien Lauf, wenn er in böse knirschenden Stücken wie „16 A.M.“, „Beliar“ oder „Commandment“ überfallartige Blastbeats programmiert und so das Beste aus hartwurstiger Brutalität und maschineller Unerbittlichkeit vereint. Und es warten noch zahlreiche weitere Gründe beziehungsweise Tracks, die den knochigen Griff dieses Albums zu einem ungemein zwingenden machen. „Possessor“ sollte man – Verzeihung – besitzen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2018.
Monday the 16th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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