CD-Rezension / Review / Kritik

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Factice Factory Lines Parallels CD Cover

Factice Factory „Lines & Parallels“

(Wool-E Discs & Tapes/Wave Tension Records)
Das französisch-schweizerische Trio Factice Factory wird immer noch unterschätzt, obwohl ihr minimalistischer Post-Punk durchaus schon Tanzflächenhits produziert hat. Mit ihrem dritten Album „Lines & Parallels“ geben sich Factice Factory eingängiger denn je, ohne von der kompromisslosen Melancholie ihres Sounds abzuweichen. Im Gegenteil: Die stärkere Betonung von Gitarre und Bass lässt die Songs organischer wirken, gleichzeitig bleibt die Gesangsstimme gewohnt kühl und verzweifelt. Dabei wechseln Factice Factory fast traumwandlerisch zwischen Songs auf Französisch, Deutsch und Englisch. Fast NDW-poppig kommt „Leuchtturm“ herüber, der ebenso eingängig wie weltverzweifelt und liebeskummerlastig erscheint (und kein Nena-Cover ist). Etwas tiefere Elektronik-Klänge schlägt das Film-Noir-Geschichtchen „Audran“ an. Jeder Song ist ein Stückchen anders zwischen Synths und Saiteninstrumenten verortet. Das flirrende „The Weeping Willow“ beschließt das Album mit einer Gitarrenlinie, die durchaus auch von Cures „Disintegration“-Album stammen könnte.
Georg Howahl

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2017.
Friday the 15th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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