CD-Rezension / Review / Kritik

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Danielle De Picciotto  Alexander Hacke Preseverantia

Danielle De Picciotto & Alexander Hacke
„Perseverantia“
(Potomak/Indigo)
Mit einer Schublade kommt man bei Danielle De Picciotto und Alexander Hacke nicht aus. Es muss schon ein ganzes Wandregal sein. Nicht nur, weil die Aktivitäten der beiden zwischen Einstürzende Neubauten, Crime & The City Solution oder The Ministry Of Wolves und zahllosen anderen Projekten pendeln. Auch ihre gemeinsamen Alben unterscheiden sich in Stil und Ausrichtung deutlich voneinander. War „Hitman’s Heel“ noch konventioneller in seiner Unkonventionalität angelegt, macht „Perseverantia“ erneut einen gewaltigen Sprung. Von ein paar Spoken Words-Einsprengseln abgesehen ist es ein Instrumentalwerk, das musikalisch versucht, die Ruhe- und Rastlosigkeit zu spiegeln, die Hacke und Picciotto an unterschiedlichste Orte der Welt getrieben hat. Nicht in Form von Weltmusik-Einschüben, sondern indem die Stücke Stimmungen nachbilden. So klingt schon der Opener „Love Foundation“ wie das Hitzeflimmern in der Mojave-Wüste, wo das Künstlerpaar „Perseverantia“ aufnahm. Stellenweise erinnert die Trostlosigkeit, aber auch die Weite der Musik an Neil Youngs „Dead Man“-Soundtrack, kommt aber insgesamt weniger depressiv daher. In irgendwelche Schubladen will es dennoch nicht passen. Und das ist auch gut so. Vielleicht ist das der ultimative Freiraum, den sich Picciotto und Hacke erhoffen.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.
Monday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

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