CD-Rezension / Review / Kritik

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dark horses hail lucid state

Dark Horses
„Hail Lucid State“
(Last Gang Records/PIAS/Rough Trade)
Was die Dark Horses auf ihrem Debüt vor zwei Jahren angefangen haben, konnten sie mit „Hail Lucid State“ perfektionieren: Ein abgedrehter Psychedelic-Shoegaze-Sound, nicht so sehr wild als vielmehr mystisch, über dem die leicht entrückte Stimme der schwedischstämmigen Lisa Elle schwebt. Das erinnert an manchen Stellen an die Kills und die Raveonettes, lässt sich aber auch noch anders umreißen. Die Dark Horses machen einen Sound, den Bands wie Black Rebel Motorcycle Club, Kasabian oder A Place To Bury Strangers gut finden. Denn für sie durfte das Quintett aus Brighton schon als Support spielen. Das neue Album klingt wie aus einem Guss, hier hat Richard Fearless von Death In Vegas die Zügel vorbildlich in der Hand gehalten. Diesmal sind die Keyboards, die auf dem Debüt noch eine starke Rolle spielten, in den Hintergrund getreten – und der Sound lädt dazu ein, die Gedanken schweifen zu lassen. Das beginnt schon beim ersten Song „Live On Hunger“, gipfelt allerdings zum Schluss hin in „The Bravest“, bei dem Lisa Elle in einer Art Sprechgesang einen Text von Eva von Sacher-Masoch rezitiert, die nicht nur die Mutter von Marianne Faithful war, sondern auch die Großnichte von Leopold von Sacher-Masoch, dem Autor von „Venus im Pelz“. Sicherlich kein Zufall, dass die Dark Horses ausgerechnet diese fast mystische Verbindung knüpfen. Außergewöhnlich und clever – wie die ganze neue Musik der Dark Horses.
Georg Howahl

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.

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