CD-Rezension / Review / Kritik

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Corvus Corax Der Fluch des Drachen Cd Cover

Corvus Corax „Der Fluch des Drachen“

(Electrola/Universal Music)
Eigentlich gehört ein Musical auf die Bühne. Auch das Fantastical „Der Fluch des Drachen“, das Corvus Corax mit Markus Heitz auf den Weg gebracht haben, schreit nach leibhaftiger Darbietung. Wie schön wäre es, Castus in der Rolle des blasierten Königs zu erleben oder die Hexe Runa tanzen zu sehen. Das Hörbuch ist allerdings mehr als nur ein Ersatz. Erzähler Johannes Steck wird seinem Ruf als herausragende Stimme der deutschen Fantasy einmal mehr gerecht. Zusätzlich zu den immer wieder eingeschobenen Liedern der verschiedenen Charaktere untermalen kleine, stimmungsvolle Musikstücke seinen Vortrag: hier ein paar Trommeln, dort eine gepfiffene Melodie, die an anderer Stelle wiederkehrt und sich im Schädel festfrisst. Obwohl die Songs, die die Handlung erweitern und vorantreiben, deutlich poppiger ausfallen als alles, was Corvus Corax je veröffentlicht haben, bleibt die typische Handschrift der Spielleute wahrnehmbar. Die Rhythmen sind raffiniert, alte Instrumente werden in den modernen musikalischen Kontext eingebunden. Bei Hofe etwa quäken die Schalmeien ganz prächtig. Auch die Gaststimmen, unter anderem Alea der Bescheidene (Saltatio Mortis) und Ji-In Cho (And Then She Came), tragen dazu bei, dass es keinen Moment langweilig wird, dem Schmied Adamas auf seiner abenteuerlichen Reise zu folgen. Selbst wer sich mit dem ungewohnt gefälligen Klangbild schwer tut, wird unweigerlich von der Geschichte und ihrer Inszenierung gefesselt sein und sich irgendwann höchstwahrscheinlich dabei ertappen, plötzlich die Flötenmelodie des Intros oder einen Refrain vor sich hin zu summen. Ein mutiges Mammutwerk.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2017.
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