CD-Rezension / Review / Kritik

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City Calm Down Echoes In Blue CD Cover

City Calm Down „Echoes In Blue“

(I Oh You/PIAS/Rough Trade)
Das Leben ist eins der schwersten. Das wissen auch City Calm Down aus Melbourne, vier nachdenklich dreinblickende Herren in dunklen Hemden, die mit ihrem Debüt „In A Restless House“ in der australischen Heimat immerhin Platz 25 der Album-Charts belegten. Und Voraussetzungen für noch höhere Weihen sind auf dem Zweitling des Quartetts zweifelsohne gegeben. Jack Bourkes zwischen betrübtem Genuschel und dramatischem Bariton changierende Stimme gemahnt oft sowohl an The National-Sänger Matt Berninger als auch an Tom Smith von Editors, und die Band tut ihr Möglichstes, um diese Verortungen musikalisch zu unterstreichen: Post-Punk ist auf „Echoes In Blue“ genauso Thema wie die gediegene, anspruchsvolle Seite des Indie-Stadionrock. Zwirbelnde, wie aus den Achtzigern herübergebeamte Bassläufe stehen dabei in reizvollem Kontrast zu gelegentlich aufflackernder Gitarrenheizung – und bekennt Bourke zu Anfang ‚I’m dislocated, dissociated’ bereitet das den perfekten Nährboden für Songs mit Titeln wie „Joan, I’m Disappearing“, „Distraction Losing Sleep“ oder „Decision Fatigue“, die ob Beziehungsturbulenzen und nagenden Selbstzweifeln die Stirn in tiefe Falten legen. Kein Grund zur Beruhigung also – aber solange man sich von Zeit zu Zeit mit diesem Album tröstet, wird das Leben wenigstens kurzzeitig ein kleines bisschen leichter.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2018.
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Sunday the 16th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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